Gut Ding braucht Weile
Marmelade darf wieder Marmelade heißen, Veggie-Produkte dürfen zwar nicht Steak heißen, aber dafür ist der vegane Burger erlaubt. Wie schön! Die EU verausgabt sich aber an Nebenschauplätzen, die großen Themen bleiben unberührt. Wie zum Beispiel die Strompreisberechnung, die sich nach dem Merit-Order-Prinzip ergibt (das teuerste benötigte Kraftwerk bestimmt den Marktpreis) und gerade für Österreich, das Energie in weiten Teilen aus erneuerbarer Energie bezieht, ein großer Nachteil ist. Würde der Preis diese heimischen Faktoren mit einbeziehen, wäre eine Preisreduktion so gut wie sicher und das wäre eine große Erleichterung für alle Gastronomen. Aber bezieht man die Erfahrung hinsichtlich EU-Entscheidungsfreudigkeit mit ein, dann ist klar: Es wird noch „a bissl dauern!“
Diese Zeit hat die Gastronomie aber in Wirklichkeit nicht, denn die schon wieder steil nach oben galoppierende Inflation hat ganz konkrete Auswirkungen auch auf die Gastronomie. Der Wirt steht täglich vor der Frage, wie er sein Schnitzerl zu einem moderaten Preis, den der Gast auch zu zahlen bereit ist, anbieten kann – und dabei selbst noch wirtschaftlich überlebt. Das Energiethema schnell auf die Reihe zu bringen, wäre ein echter Meilenstein aus Brüssel und würde tatsächlich unmittelbar wirken.
Der Gastronom hat’s echt nicht leicht in den letzten Jahren. Die Pandemie hat die Gäste in die Wohnungen und damit an die Herde verbannt, wo viele das Kochen wieder entdeckt haben. Bleibend! Fast Food ist auch so etwas wie eine Selbstverständlichkeit geworden und bringt mit seiner Preisgestaltung den klassischen Wirt gehörig unter Druck. An welchen Schrauben kann der Gastgeber also noch drehen, damit der wirtschaftliche Kreislauf für alle stimmt? Vermutlich in erster Linie „nur“ mehr an der heimischen Qualität, und da wiederum ist es gut, dass die EU neue Richtlinien hinsichtlich mehr Klarheit bei der Produktkennzeichnung und eine Stärkung regionaler Produkte erlassen hat. Für Gastronomen heißt das, sie können herzeigen, was sie haben. Und sind damit dem Fast Food Sektor meilenweit voraus. Was nicht nur hinsichtlich regionaler Wertschöpfung und exzellentem Geschmack ein Vorteil ist, sondern auch einer für die Gesundheit. Denn in Österreich wird ehrlich angebaut, ehrlich produziert und ehrlich gekocht. Hand drauf!
Was im Übrigen auch durch die aktuellen Guide Michelin Bewertungen eindrucksvoll unterstrichen wurde! Herzliche Gratulation an alle Gewinner!
Kurt & Michael HEINZ